Mitarbeiter:innenschulung planen: erst Pflicht, dann Kür

von Anne Schaller06.10.2026

Wer eine Mitarbeiter:innenschulung plant, denkt zuerst an Kurse, die das Team weiterbringen. Einen Teil der Termine setzt aber das Gesetz, und diese Fristen richten sich nach keinem Budgetjahr. Wer die Pflicht zuerst einplant, hat für die Kür mehr Luft und im Ernstfall die Nachweise griffbereit.

Mitarbeiter:innenschulung planen beginnt mit Terminen, die schon feststehen

Im Herbst wird das Budget für das nächste Jahr verteilt, auch der Posten für Weiterbildung. Wer dafür den Kalender des kommenden Jahres aufschlägt, findet ihn nicht leer. Darin stehen schon Termine, die niemand bewusst gesetzt hat.

Der erste steht am ersten Arbeitstag jeder neuen Person. Ob die Aushilfe im Lager für die Wochen vor Weihnachten beginnt oder die neue Reinigungskraft im März: Vor der ersten Schicht wird unterwiesen. Der zweite hat einen Anlass statt eines Datums, nämlich die nächste Änderung, etwa ein neuer Hubwagen im Lager oder ein neues Reinigungsmittel für die Unterhaltsreinigung. Ab regelmäßig mehr als zehn Beschäftigten kommt eine dritte Frist dazu: die Ausbildung der Sicherheitsvertrauensperson.

Erst danach kommt die Kür, also die Schulungen, die sich der Betrieb selbst aussucht. Diese Abfolge prägt das ganze Schulungsjahr. Wer mit dem Kurskatalog beginnt, verteilt das Budget auf Wünsche und sucht später Zeit für Termine, die nie zur Wahl standen. Wer mit dem Kalender beginnt, bekommt einen Weiterbildungsplan, der auf eine Seite passt.

Pflicht vor Kür: wer den Schulungstermin setzt

Entscheidend ist oft weniger das Was als das Wie. Verantwortliche sollten Mitarbeiter:innenschulungen nicht als freiwilliges Zusatzangebot behandeln, wenn dahinter eine gesetzliche Verpflichtung steht. Denn im Ernstfall kann genau diese Umsetzung überprüft werden.

Die ersten beiden Termine setzt die Unterweisung über Sicherheit und Gesundheitsschutz. Sie findet während der Arbeitszeit statt, nachweislich und zugeschnitten auf Arbeitsplatz und Aufgaben. Fällig wird sie vor Aufnahme der Tätigkeit und immer dann, wenn sich etwas ändert. Anlässe sind eine Versetzung, neue oder geänderte Arbeitsmittel und Arbeitsverfahren, neue Arbeitsstoffe und ein Unfall oder Beinahe-Unfall, wenn das weiteren vorbeugt. Wo es nötig ist, wird sie in regelmäßigen Abständen wiederholt.

Arbeitet im Lager oder im Reinigungsteam jemand, dessen Deutsch dafür nicht ausreicht, findet die Unterweisung in der Muttersprache oder einer anderen Sprache statt, die diese Person versteht. Der Betrieb muss sich vergewissern, dass sie angekommen ist, und zwar bei der Person selbst.

Im Gegensatz zur Information kann die Unterweisung nicht stellvertretend (Sicherheitsvertrauensperson, Betriebsrat) durchgeführt werden.

Arbeitsinspektion, Unterweisung und Information

Die dritte Frist betrifft Betriebe mit regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer:innen, also schon das Logistiklager oder die Reinigungsfirma mit elf Beschäftigten. Sie müssen eine Sicherheitsvertrauensperson bestellen, kurz SVP. Wie gezählt wird und wer die Rolle übernehmen darf, erklärt der Beitrag Aufgaben einer Sicherheitsvertrauensperson: melden statt haften.

Für den Plan zählt vor allem die Ausbildung: mindestens 24 Unterrichtseinheiten im Arbeitnehmer:innenschutz zu je mindestens 50 Minuten, vor der Bestellung oder spätestens im ersten Jahr der Funktionsperiode. Die Gelegenheit dazu muss der Betrieb geben. Damit gehört der Termin in die Pflicht und nicht in die Kür.

Ist die Rolle vergeben, muss die SVP an der Planung der Unterweisung beteiligt werden. Gibt es weder SVP noch Betriebsrat, sind es alle Beschäftigten.

Für die Kür zählt der Bedarf, nicht der Katalog

Erst jetzt kommt der Kurskatalog auf den Tisch. Trotzdem entscheidet sich genau hier, ob aus einzelnen Kursen ein Programm wird. Vor dem Katalog stehen deshalb drei Fragen an das Team.

  • Welche Aufgaben laufen derzeit zäh, teuer oder fehleranfällig?
  • Welche Fähigkeiten fehlen, damit das Team schneller und sicherer arbeitet?
  • Welche Rollen sollen in sechs bis zwölf Monaten stärker besetzt sein?

Die Antworten kommen in eine einfache Übersicht: drei bis fünf Kernfähigkeiten je Team, dahinter der Stand jeder Person. Im Lager zeigt sie vielleicht, dass Fehler beim Kommissionieren immer an denselben Stellen passieren, in der Gebäudereinigung, dass Rückfragen von Kund:innen zu oft bei der Objektleitung landen.

Trainerin schreibt mit einem Stift an ein Whiteboard im Schulungsraum der BPI Akademie

Aus jeder Lücke wird ein Ziel, und hier scheitern Pläne ein zweites Mal. "Besser kommunizieren" ist kein Ziel, sondern ein Wunsch. Prüfbar wird es erst, wenn im Plan steht, was jemand danach anders macht: Rückfragen im Objekt selbst klären, Übergaben zwischen den Schichten schriftlich festhalten, Fehlerquellen früh melden. Drei Ziele je Team genügen.

Fehlt einzelnen Mitarbeiter:innen der formale Abschluss, ist das ein eigener Weg; mehr dazu im Beitrag über die berufsbegleitende Ausbildung zum Lehrabschluss.

Kurze Formate bringen die Kür in den Alltag

Der Unterschied zwischen Pflicht und Kür passt in vier Zeilen.

Pflichtschulung

Wer sie bestimmt
Gesetz, Verordnungen und die Gefährdungen im Betrieb
Beispiele
Unterweisung über Sicherheit und Gesundheitsschutz, Ausbildung der Sicherheitsvertrauensperson
Termin
vor Aufnahme der Tätigkeit, bei Änderungen und nach Unfällen; die SVP-Ausbildung spätestens im ersten Jahr der Funktionsperiode
Nachweis
nachweislich, etwa mit Protokoll und Liste der Teilnehmenden

Kürschulung

Wer sie bestimmt
der Betrieb selbst, aus dem erhobenen Bedarf
Beispiele
Lagersoftware, Fachsprache, Gespräche mit Kund:innen
Termin
keine gesetzliche Frist, der Termin ergibt sich aus dem Plan
Nachweis
freiwillig, intern dokumentiert

Für die Kür gilt eine Erfahrung aus der Praxis: Ein einzelner Seminartag informiert, verändert aber selten etwas, weil ihm die Fortsetzung fehlt. Wirksamer sind Kurzmodule von 90 bis 120 Minuten, die neben dem Dienstplan Platz haben. Geht es um die eigenen Geräte und Abläufe, lohnt die Schulung im Betrieb. Das sind Richtwerte, kein Forschungsstand.

Trainerin im Schulungsraum der BPI Akademie, Teilnehmer:innen arbeiten an Einzeltischen mit Unterlagen

Im Lager kann das ein Kurzmodul zur neuen Lagersoftware direkt am Scanner sein, in der Reinigung ein Fachsprache-Training für Leistungsverzeichnis, Objektbuch und Gespräche mit Kund:innen. Die Firmenangebote und Mitarbeiter:innenschulungen der BPI Akademie reichen von Technik-Updates über Fachsprache-Training in der Terminologie des eigenen Betriebs bis zu Schulungen direkt vor Ort.

Wichtig ist, was danach passiert: Ohne feste Übergabe verläuft jede Schulung im Tagesgeschäft. Ein Mindeststandard: eine Praxisaufgabe je Modul, ein kurzes Gespräch nach zwei Wochen, dazu ein Name und ein Datum im Plan.

Was eine Mitarbeiter:innenschulung kostet und wer mitzahlt

Kursplätze haben feste Preise, die auf der jeweiligen Kursseite stehen. Für Firmenschulungen gibt es keinen Listenpreis, weil Umfang, Ort und Gruppengröße den Aufwand bestimmen. Dazu kommt ein Posten, der auf keiner Rechnung steht: die Arbeitszeit. Wer zur Ausbildung als SVP geht, fehlt in dieser Zeit im Lager oder im Objekt.

Bei den Förderungen gibt es zwei Wege, und sie führen über verschiedene Schreibtische. Die Qualifizierungsförderung für Beschäftigte des AMS geht an den Betrieb, das Bildungskonto des waff an die einzelne Person. Das AMS fördert dabei nur drei Gruppen von Beschäftigten. Das sind Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss, Frauen mit Lehre, berufsbildender mittlerer oder allgemeinbildender höherer Schule und Beschäftigte ab 50 mit einem höheren Abschluss als der Pflichtschule. Der erste Weg passt etwa, wenn eine Reinigungskraft mit Pflichtschulabschluss besser Deutsch lernen soll: Bessere Deutschkenntnisse zählen beim AMS ausdrücklich zu den förderbaren Zielen.

50%
der Kurskosten für die drei geförderten Gruppen, Personalkosten nur bei höchstens PflichtschulabschlussAMS, Qualifizierungsförderung für Beschäftigte
10.000EUR
Obergrenze pro Person und Antrag, Stand September 2026AMS, Qualifizierungsförderung für Beschäftigte
16Stunden
Mindestdauer, in Präsenz oder live onlineAMS, Qualifizierungsförderung für Beschäftigte
1Woche
vor Kursbeginn muss der vollständige Antrag vorliegenAMS, Qualifizierungsförderung für Beschäftigte

Personalkosten gibt es nur für die erste Gruppe und nur für Kursstunden während der bezahlten Arbeitszeit, in Präsenz oder live online. Reine Online-Kurse zum Selbstlernen, das bloße Anlernen einfacher Tätigkeiten und reine Produktschulungen fallen heraus. Eingereicht wird über das eAMS-Konto des Betriebs, mit dem Angebot der Bildungseinrichtung.

Das Bildungskonto des waff ist je nach Programm mit 500 bis 5.000 EUR gefüllt. Manche Programme setzen ein Nettoeinkommen von höchstens 2.800 EUR im Monat voraus, das Bildungskonto für alle nicht. Die BPI Akademie ist nach Wien-Cert zertifiziert; auf dieser Grundlage können ihre Kurse von waff und AMS gefördert werden. Welche Schiene wann greift, steht in Weiterbildung: welche Förderung wirklich greift und im Überblick über AMS-geförderte Kurse und waff-Förderung. Alle Beträge in diesem Abschnitt haben den Stand September 2026.

Der Weiterbildungsplan passt auf eine Seite

Wenn der Herbst vorbei ist, liegt kein Katalog mehr auf dem Tisch, sondern eine einzige Seite. Ob sie Schulungsplan oder Weiterbildungsplan heißt, ist gleich, solange sie das ganze Schulungsjahr zeigt.

Trainerin erklärt an der Tafel einen Ablaufplan, die Gruppe verfolgt es vom Platz aus.

Sieben Zeilen halten das Programm zusammen.

Der Weiterbildungsplan auf einer Seite

  • Team oder Bereich und Zeitraum, zum Beispiel ein Quartal
  • Ziel in einem Satz und die drei wichtigsten Fähigkeiten
  • Pflichttermine: Unterweisungen und SVP-Ausbildung
  • Format: Kurzmodul, Schulung im Betrieb oder Kursplatz extern
  • Förderantrag, spätestens eine Woche vor Kursbeginn
  • Termin und Verantwortliche für das Umsetzungsgespräch
  • ein bis zwei messbare Signale, erhoben vor dem Start und drei Monate danach

Die letzte Zeile ist die unbequemste, weil sie einen Wert von vorher braucht. Wer ihn nicht vor dem ersten Kurs erhebt, vergleicht später mit einer Erinnerung.

Was sich dadurch ändert, zeigt der Kalender. Neben den Terminen, die das Gesetz eingetragen hat, stehen jetzt Ihre eigenen: das Kurzmodul zur Lagersoftware und das Fachsprache-Training, dessen Förderantrag rechtzeitig eingereicht ist. Zwei Wochen danach folgt jeweils ein Umsetzungsgespräch. Und der Kurskatalog liegt wieder im Regal, mit zwei Lesezeichen.

Sitzen Sie vor derselben Seite und fehlt noch das passende Format? Im Infogespräch gehen wir mit Ihnen die Pflichttermine durch und klären, welche Schulung und welche Förderung zu Ihrem Betrieb passen.

Häufige Fragen

Welche Schulungen sind im Betrieb verpflichtend?

Immer die Unterweisung über Sicherheit und Gesundheitsschutz, vor Aufnahme der Tätigkeit und bei Änderungen, während der Arbeitszeit und nachweislich. Ab regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer:innen kommt die Ausbildung der Sicherheitsvertrauensperson dazu, mindestens 24 Unterrichtseinheiten. Mehr dazu in Aufgaben einer Sicherheitsvertrauensperson: melden statt haften.

Was gehört in einen Schulungsplan?

Sieben Zeilen genügen: Team und Zeitraum, das Ziel mit den drei wichtigsten Fähigkeiten, die Pflichttermine, das Format, der Förderantrag, der Termin für das Umsetzungsgespräch und ein bis zwei messbare Signale. Die Pflichttermine kommen zuerst, weil ihre Fristen feststehen.

Welche Förderung gibt es für Mitarbeiter:innenschulungen?

Für bestimmte Gruppen von Beschäftigten übernimmt die Qualifizierungsförderung des AMS 50 Prozent der Kurskosten, die Personalkosten nur bei höchstens Pflichtschulabschluss. Der Antrag muss spätestens eine Woche vor Kursbeginn vollständig vorliegen. Für die einzelne Person gibt es das Bildungskonto des waff.

Was kostet eine Firmenschulung bei der BPI Akademie?

Für Firmenschulungen gibt es keinen Listenpreis, weil Umfang, Ort und Gruppengröße den Aufwand bestimmen. Sie hinterlassen Eckdaten und Bedarf auf der Seite der Firmenangebote und Mitarbeiter:innenschulungen und bekommen einen individuellen Vorschlag. Einzelne Kursplätze haben feste Preise, die auf der jeweiligen Kursseite stehen.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG), Paragraf 14Unterweisung während der Arbeitszeit und nachweislich, ihre Anlässe von der Aufnahme der Tätigkeit bis zum Beinahe-Unfall, die Wiederholung in regelmäßigen Abständen und die Pflicht, in einer verständlichen Sprache zu unterweisen und sich zu vergewissern, dass sie verstanden wurde.abgerufen am 24.09.2026
  2. Arbeitsinspektion, Unterweisung und InformationKeine stellvertretende Unterweisung über Sicherheitsvertrauensperson oder Betriebsrat, Nachweis über Protokoll und Liste der Teilnehmenden und die Beteiligung von SVP, Betriebsrat oder allen Beschäftigten an der Planung.abgerufen am 24.09.2026
  3. ASchG, Paragraf 10Bestellpflicht ab regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer:innen und die Pflicht des Betriebs, der SVP Gelegenheit zum Erwerb der Fachkenntnisse zu geben.abgerufen am 24.09.2026
  4. Sicherheitsvertrauenspersonen-Verordnung (SVP-VO), Paragraf 4Ausbildung von mindestens 24 Unterrichtseinheiten zu je mindestens 50 Minuten und der Zeitpunkt vor der Bestellung oder im ersten Jahr der Funktionsperiode.abgerufen am 24.09.2026
  5. AMS, Qualifizierungsförderung für BeschäftigteDie drei geförderten Gruppen von Beschäftigten und Ziele wie bessere Deutschkenntnisse, Förderhöhe und Obergrenze, Personalkosten nur für Präsenz- und Live-Online-Stunden, Mindestdauer, nicht förderbare Kurse sowie Antrag über eAMS eine Woche vor Beginn.abgerufen am 24.09.2026
  6. waff, BildungskontoFörderung an die Person mit 500 bis 5.000 EUR und die Einkommensgrenze von 2.800 EUR netto, die nicht für alle Programme gilt.abgerufen am 24.09.2026
  7. BPI Akademie, FörderinfosZertifizierung der BPI Akademie nach Wien-Cert als Grundlage für Förderungen von waff und AMS.abgerufen am 24.09.2026
  8. BPI Akademie, Firmenangebote und Mitarbeiter:innenschulungenTechnik-Updates, Fachsprache-Training in der Terminologie des Betriebs, Schulungen vor Ort und der individuelle Vorschlag statt eines Listenpreises.abgerufen am 24.09.2026
  9. BPI Akademie, Kurs zur SicherheitsvertrauenspersonPraxisnahe, branchenneutrale Ausbildung mit Teilnahmebestätigung nach SVP-VO.abgerufen am 24.09.2026